Text || Das Leben, eine Nummer

Mai 5th, 2013 § 0 comments

Seit langen schon bin ich davor verschohnt geblieben im ernsteren Sinne Dienstleistungen eines Krankenhauses in Anspruch nehmen zu müssen. Auch heute betrete ich sonnigen Gemütes die neue Uni-Klink. Nur eine Imfpung als Vorbereitung für eine Reise ist erforderlich, ein kleines Opfer das ungestreift in der Vorfreude des geplanten Trips untergeht. Der Impfprechstunde ist eine Anmeldung und der wiederum ein Nummernautomat vorgeschaltet. Moderne Zeiten.

Dem Automaten entlocke ich einen perfekt gerduckten Zettel, eine vertraute Stimme ruft meinen Namen. Peter, ein alter Freund, schon ewig nicht mehr gesehen, winkt von gegenüber der Lobby. Ein klingeln unterbricht jäh meinen Smalltalk mit dem mir schon leicht fremd gewordenen Kerl. Ich nehme Abschied und Kurs auf die Kabine, die meine Nummer anzeigt. Eine Frau mittleren Alters okkupiert ohne weitere Stellungnahme meine Empfangskabine. Verblüfft öffne ich die Tür hinter der sie bereits verschwunden war, ein “Ich habe mich vorgerängelt.” entgegent mir.

Dass sie sich vorgedrängelt hatte war offensichtlich, als sie mich mit der Nummer warten sah hatte sie mich nach der Position des Nummernautomaten gefragt. Immer noch rätselnd aber gleichzeitig entschlossen schliese ich die Tür von außen und lasse sie gewähren. Wenig später verlässt die Frau die Kabine, ihr Blick ist nur etwas weinger verunsichert als vorher. Ihrer Sparsamkeit mit Worten bleibt sie treu, sagt gar nichts.

Nun finde ich in der Kabine den erwarteten freien Stuhl vor, ein Seufzen entgegnet mir. “Jetzt durfte ich neben der ganzen Verwaltungsarbeit auch noch Seelsorge betreiben.”  das wenig ernste Klagelied wird von einem leichten Lächeln begleitet. “Ihrem Mann geht es gar nicht gut, sie musste sich einfach nur kurz ausheulen und ihre drückende Beklemmnis teilen.” setzt mein gegenüber fort. Die Gute tat hat wohl ihrer Stimmung nicht geschadet.

In der Tropenberatung lasse ich mich impfen, kaufe mir im Kiosk ein Eis, um es in den kräftigen Sonnenstrahlen zu genießen. Dann verlasse ich den Ort, der doch so deutlich an die Fragilität des Lebens erinnert, um wieder meinen Arbeitsalltag anzutreten, die Vergänglichkeit wieder zu vergessen.

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